Geschichte Simson in Suhl

Im Jahr 1856 wurde das Unternehmen Simson & Co. von den Brüdern Löb und Moses Simson gegründet. Hauptgeschäft des Unternehmens war die Produktion von Holzkohlenstahl für die Herstellung von Gewehren und Gewehrläufen. Ende des 19. Jahrhunderts begann die Fahrradproduktion und man beschäftigte schon bald mehr als 1200 Arbeitnehmer. Zum Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitete man bei Simson an der Entwicklung eines Automobils, welches 1911 mit der Herstellung des PKW Simson A abgeschlossen hat. Während des 1. Weltkrieges und auch einige Jahre danach musste man sich bei Simson auf die geforderte Kriegswaffenproduktion (Gewehre, leichte Maschinengewehre, Pistolen usw.) konzentrieren. In den goldenen 20iger Jahren konnte man bei Simson trotz der Waffenproduktion mit dem Automobil Supra erste große Erfolge, auch im Rennsport, verzeichnen. Die jüdischen Eigentümerfamilie Simson musste während der Herrschaft der Nationalsozialisten das Unternehmen zwangsweise an das Dritte Reich übereignen. Von da an produzierte man unter dem Namen Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke GmbH wieder kriegswichtiges Material. 

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde das Unternehmen von den Siegermächten als Rüstungsbetrieb eingeordnet und daher im Jahr 1946 überwiegend demontiert.Weit über 4000 Produktionsanlagen wurden als Reparationsleistung in die Sowjetunion transportiert. Mit den restlichen knapp 800 verbliebenen Anlagen begann die Herstellung von Kinderwagen und Fahrrädern. Der Betrieb wurde ein Jahr später in die sowjetische Aktiengesellschaft SAG Awtowelo (AWO) eingegliedert. Im Jahr 1948 erhielt das Werk von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) den Befehl für die Entwicklung und Produktion eines 250ccm Viertakt-Motors. Die bekannte AWO 425 wurde 1950 ins Leben gerufen. Bis zur Produktionseinstellung im Jahr 1961 wurde etwa 210.000 Stück hergestellt. Für die Produktionsausrichtung auf Motorräder und später auch Kleinkrafträder wurde die Produktion von Simson-Fahrrädern leider eingestellt. Im Jahr 1952 wurde das Unternehmen zum volkseigenen Betrieb (VEB) erklärt. Als VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson gehörte es später auch zum IFA-Industrieverband Fahrzeugbau der DDR.  

Nach dem Beschluss die Motorradproduktion ausschließlich dem Motorenwerk Zschopau zu überlassen, wurde im VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson ausschließlich Mopeds und Kleinkrafträder produziert. Der Anfang dieser Produktionsausrichtung machte der bekannte und für damalige Zeit schon ausgereifte Simson SR1. Es folgte der Simson SR2 und der Simson KR50, der als Ur-Schwalbe die Vorlage zur legendären Schwalbe gesehen werden kann. Bereits im Jahr 1962 lieferte das Werk sein einmillionstes Kleinkraftrad an die Bevölkerung. Im Jahr 1968 wurde der Betrieb nach Eingliederung des VEB Ernst-Thälmann-Werk Suhl in VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk "Ernst Thälmann" umbenannt.Anfang der 80iger Jahre begann die Serienproduktion des besonders bei den Jugendlichen beliebten Modellen des Simson S51 und Simson Schwalbe KR51/2. Ende der 80iger Jahre beschäftigte das Unternehmen ca. 4000 Mitarbeiter und produzierte knapp 200.000 Kleinkrafträder pro Jahr. Die Simson-Zweiräder wurden in verschiedenen Exportausführungen mit höheren Qualitätsansprüchen auch auf den internationalen Markt verkauft.

Simson SR1 

Der Simson SR1 ist das erste Kleinkraftrad welches von Simson in Suhl ab 1953 produziert wurde. Mit einer Leistung von 1,5 PS und 47,6 ccm stand der SR1 in direkter Konkurrenz zur in Westdeutschland produzierten NSU Quickly. Den Motor zum Simson SR1 wurde vom VEB Büromaschinenwerk Sömmerda zur Verfügung gestellt. Dieser Betrieb gehörte zu Rheinmetall, was auch den Namen SR für Suhl und Rheinmetall erklärt. Der Simson SR1 erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h und erinnerte mit seinen 26-Zoll Rädern und Pedalen noch stark an ein Fahrrad. Für die Bevölkerung der DDR konnte der Simson SR1 zum Preis von DDR 990 Mark erworben werden. Bis zum Ende der Bauzeit im Jahr 1957 verließen ca. 152.000 Exemplare das Simsonwerk in Suhl. Den Simson SR1 gab es in den Farben Hechtgrau, Beige,Maron, Lindgrün und auch Dunkelblau. Die letzten beiden Farben kommen jedoch sehr selten vor.  Als Nachfolger des Simson SR1 wurde der Simson SR2 entwickelt. 

Simson SR2

Auf der Leipziger Frühjahrsmesse im Jahr 1957 wurde der Simson SR2 als Nachfolgermodell des Simson SR1 vorgestellt. Als Einzylinder-Zweitaktmotor mit 1,5 PS wurde der Simson SR2 wie auch schon sein Vorgänger als Moped konzipiert. Das bedeutet, dass der Motor mit den Pedalen gestartet werden muss. Anders als der Simson SR1 konnte der Simson SR2 auch mit der Kickstarter-Funktion der Pedale im Stand angeworfen werden-das erhöhte den Komfort deutlich. Der Tank verfügte über ein Volumen von 6 Liter, woraus sich eine Reichweite von ca. 300 km ergab. Der Simson SR2 stand der Bevölkerung in den Farben Maron, Hechtgrau, Beige, Bordeauxrot und auch Blau für DDR 1.065 Mark zur Verfügung.  Bis zum Ende der Produktion im Jahr 1959 stellte Simson in seinen Werken zusammen mit dem Simson SR2E über 900.000 Exemplare her. 

Simson KR50 

Schon vor dem Produktionsende des Simson SR2 begann man bei Simson an der Entwicklung eines Nachfolgermodells. Im Jahr 1958 konnte man mit der Produktion des Simson KR50 starten. Besonders für die weibliche Kundschaft war der Simson KR50 eine passende Alternative zum Simson SR2. Der KR50 war ein vollverkleideter KleinRoller mit durchdachter Schmutz- und Windschutzvorrichtung. Auch die Fahreigenschaften wurden nochmals verbessert und so verfügte der Simson KR50 über eine Fahrleistung von 2,1 PS bei jeweils 5.500 U/min. Gestartet werden konnte der Kleinroller durch einen Kickstarter. Insgesamt war es ein komfortables Zweirad, welches für einen Preis von DDR 1.150 Mark erworben werden konnte. Erstmals wurden Zweiräder bei Simson auch in den Farben Hammerschlag-Blau, Hammerschlag-Erikarot und Metallic-Diaphanblau lackiert. 

Im Rahmen der Modellpflege wurde der Simson KR50 mit besserer Bereifung, neuen Reibungsgedämpften Federbeinen, stärkerer Kette und als markanteste Neuerung ab 1963 mit einem Blechprägelenker anstelle eines Rohrlenkers ausgeliefert. Die Leistung wurde nochmals um 0,2 PS gesteigert. Im Jahr 1964 wurde die Produktion zu Gunsten der neu entwickelten Simson Schwalbe KR51 eingestellt. Bis zum Ende der Produktion wurden insgesamt 164.000 Stück hergestellt. 

Unsere Modell von Simson 

Neben der Modelle der Simson Schwalbe und der Vogelserie dürfen natürlich auch Exemplare des Simson SR1, Simson SR2 und auch den Simson KR50 in unserer Sammlung nicht fehlen. Der Anfang machte eine beigefarbener SR1 der bereits restauriert worden war. Dennoch waren einige Arbeiten notwendig bis er vollständig fahrbereit war. Neben einem beigefarbenen Simson SR1 gesellte sich noch ein maronfarbener Simson SR1 dazu, der jedoch im Rahmen eines Tauschgeschäftes die Sammlung wieder verlassen hat. Als weiteres Projekt ist für 2019 bzw. 2020 die Restauration eines noch vorhandenen Simson SR1 in Lindgrün geplant. 

Bestandteil unserer Sammlung ist zudem noch ein Simson SR2 in hechtgrau, sowie ein Simson SR2E in der Farbe rot. Beide Modelle waren bereits vor der Aufnahme in die Sammlung lackiert. 

Besonders stolz sind wir auf unseren KR50 in Hammerschlag-Erikarot. Dieser ist noch vollständig in originaler Verfassung, sodass wir bei diesem Projekt lediglich die Anbauteile einmal vollständig abgebaut, gereinigt und anschließend wieder zusammengesetzt haben. Hier mussten wir wirklich kein Teil ersetzen bzw. irgendwas nachlackieren. Als Pendant steht in unserer Sammlung auch ein KR50 in Hammerschlag-Blau. Dieser musste im Gegensatz zum KR50 in Hammerschlag-Erikarot vollständig neuaufgebaut werden. Vom Lack der leider schlecht vom Vorbesitzer lackiert wurde, bis hin zu Anbauteilen des KR50 oder auch einem falsch eingebauten Motor mussten wir sehr viele Arbeitsstunden in die Restauration investieren. Insgesamt dauerte das Projekt mehr als 6 Monate bis der Simson KR50 wieder vorzeigbar war und in die Sammlung aufgenommen werden konnte. 

Gerne könnt ihr euch die Modelle in den Bildergalerien anschauen und kommentieren. Da wir für unser Museum noch weitere Jawa Modelle Modelle suchen, würden wir uns freuen wenn Ihr uns dabei helft. Schreibt einfach über das Kontaktformular- Vielen Dank. 

Simson SR 1

Simson SR 1

Simson SR 1

Simson SR 1

Simson SR1

Simson SR1

Simson SR2

Simson SR2

Simson SR 2E

Simson SR 2E

Simson KR50

Simson KR50

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